Das Prostatakarzinom ist ein bösartiger Tumor der Vorsteherdrüse (Prostata) des Mannes. Es ist in Deutschland bei Männern die häufigste Krebserkrankung mit mehr als 60.000 neuen Fällen jährlich. Mediziner betonen, wie wichtig es ist, regelmäßig an Untersuchungen zur Früherkennung teilzunehmen, denn im Anfangsstadium verursacht Prostatakrebs keinerlei Beschwerden. Die Therapie hat jedoch dann am meisten Aussicht auf Erfolg, wenn der Krebs frühzeitig entdeckt wird und er noch auf die Prostata beschränkt ist. Dann kann der Tumor zum Beispiel durch eine Operation noch komplett entfernt werden. Fast alle Männer überleben den Krebs, wenn er so frühzeitig erkannt wird, dass er noch auf die Vorsteherdrüse beschränkt ist.
Klar vom Prostatakrebs unterschieden werden muss die gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (benigne Prostata-Hyperplasie), welche vor allem Probleme beim Wasserlassen verursachen kann, jedoch immer auf die Prostata beschränkt bleibt.
Das mittlere Erkrankungsalter für das Prostatakarzinom liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. bei etwa 69 Jahren. Vor dem 50. Lebensjahr ist der Krebs der Vorsteherdrüse selten. Sollte Prostatakrebs beim Vater, Onkel oder Großvater in frühen Lebensjahren aufgetreten sein, muss die Vorsorge schon viel früher einsetzen, zum Beispiel bereits mit 35.
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Dass Männer, in deren Familie nähere männliche Verwandte an Prostatakrebs erkrankt sind, häufiger als andere ebenfalls an dieser Krebsart erkranken, wird seit langem beobachtet. Erst vor relativ kurzer Zeit konnte nachgewiesen werden, dass bei Männern mit einer Strukturveränderung (Mutation) im sogenannten BRCA-2-Gen, welche bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden ist, das Risiko steigt, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Dazu zählen neben dem Prostatakarzinom auch Brustkrebs sowie Knochen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Hinsichtlich des Prostatakrebses sprechen einige Studien von einem etwa 2,5-fach erhöhten Risiko im Vergleich zu Männern, die keine Mutation des BRCA-2 haben. Die Forschung steht hier aber noch ganz am Anfang; in der täglichen klinisch-urologischen Praxis hat BRCA-2 noch keine Bedeutung.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Aus ärztlicher Sicht ist die Durchführung eines PSA-Schnelltests zu Hause nicht ratsam. Der Schnelltest bietet keine ausreichend hohe Sicherheit und kann den Besuch beim Urologen daher nicht ersetzen. Eine hohe Sensitivität (Empfindlichkeit) hinsichtlich Prostatakrebs hat nur der vom Urologen durchgeführte PSA-Test, der vom Arzt im Zusammenhang mit der rektalen Tastuntersuchung und anderen Untersuchungsbefunden (zum Beispiel Hinweise auf gutartige Prostatavergrößerung oder Prostataentzündung) sowie dem Alter des Patienten interpretiert wird. Ein in Eigenregie durchgeführter PSA-Schnelltest kann den Anwender in falscher Sicherheit wiegen oder auch unbegründete Ängste wecken.
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Prostatakrebs ist heilbar, wenn er in einem örtlich (lokal) begrenzten Stadium behandelt wird (klinisches Stadium T1 oder T2, das heißt, wenn es sich um Tumore handelt, die innerhalb der Prostatakapsel liegen). Es darf keine Metastasierung in Lymphknoten, Knochen oder anderen entfernten Organen des Körpers bestehen. Auch bei Tumoren, die schon die Kapsel durchbrochen haben (Stadium T3 und T4), kann noch eine Heilung erzielt werden, die Chancen sind aber deutlich schlechter als bei T1 und T2.
Der Gleason-Score ist eine Skala zur Einschätzung der Bösartigkeit des Tumors in der Prostata. Er wird durch Untersuchung von Proben aus dem Tumor, die mittels Stanzbiopsie gewonnen werden, ermittelt, und hat einen Zahlenwert zwischen 2 und 10. Bei Gleason 2 bis 6 zum Beispiel ist die Prognose des bösartigen Prostatatumors sehr günstig.
Die Therapie der Wahl nach heutigem Stand der Forschung ist die radikale Entfernung von Prostata und Samenblasen. Sie kann über einen Schnitt vorne oberhalb des Schambeins (retropubisch) oder im Dammbereich (perineal) erfolgen. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich die laparoskopische radikale Prostatektomie (Laparoskopie bedeutet Bauchspiegelung), die ebenso gute Ergebnisse wie die offenen chirurgischen Verfahren bringt, aber Vorteile wie kleine Schnitte (für den Patienten) und eine Kamerasicht mit Vergrößerung (für den Operateur) bietet.
Immer mehr Kliniken bieten die Roboter-assistierte laparoskopische radikale Prostatektomie an. Bei dem System mit dem klangvollen Namen „Da Vinci“ handelt es sich jedoch nicht um einen Roboter, der selbständig am Patienten operieren kann. Vielmehr sitzt ein erfahrener Urologe an einer Bedienungskonsole im Operationssaal und steuert mit seinen beiden Händen die Bewegungen der beiden Roboterarme, die am OP-Tisch die Instrumente führen. Ein zweiter erfahrener Operateur steht steril am OP-Tisch, um zu assistieren und im Notfall eingreifen zu können. Der „Roboter“ hat den Vorteil, dass seine Instrumente im Körper des Patienten besser zu führen und beweglicher sind, so dass komplexe Operationen leichter durchgeführt werden können als mit der klassischen Laparoskopie. Außerdem verfügt das System über ein spezielles Kamerasystem mit zwei Linsen, das dem Operateur eine optimale dreidimensionale Sicht auf das OP-Feld bietet.
Ob die Roboter-unterstützte laparoskopische Chirurgie in Bezug auf die funktionellen Ergebnisse (Kontinenz, Potenz) und die Langzeitergebnisse (zum Beispiel in Bezug auf das Wiederauftreten des Krebses Jahre nach der Operation) Vorteile bietet, wird sich erst in der Zukunft zeigen.
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Kann die örtliche, niedrig dosierte Dauerbestrahlung von innen bei einem noch günstigen Stadium des Krebses als minimalinvasive Methode Heilung bringen? Wäre hochintensiv gebündelter Ultraschall, über den Enddarm an die Prostata herangebracht, eine Alternative?
Die Brachytherapie (Dauerbestrahlung der Prostata von innen) kann bei niedrigen Prostatakrebs-Stadien eingesetzt werden und Heilung bringen. Es ist jedoch nicht erwiesen, dass sie der Totalentfernung der Prostata überlegen ist, weswegen diese Methode nicht generell empfohlen werden kann. Zu den anderen genannten Verfahren – Ultraschalltherapie und Vereisung – fehlen bisher ausreichende Kurz- und Langzeitergebnisse von größeren Patientengruppen.
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Fortgeschrittener, nicht mehr kurativ behandelbarer Prostatakrebs – also der Prostatakrebs, der schon so weit fortgeschritten ist, dass er nicht mehr durch eine Totalentfernung der Prostata heilbar ist –, stellt auch heute noch ein therapeutisches Problem dar. Meist werden die betroffenen Patienten mit einer antihormonellen Therapie behandelt: Die komplette medikamentöse Androgenblockade (Androgene ist der Oberbegriff für die Sexualhormone des Mannes) bewirkt das Absinken des männlichen Geschlechtshormons Testosteron auf Kastrationsniveau. Da Prostatakrebs in vielen Fällen testosteronabhängig wächst, kann diese Therapie das Fortschreiten der Erkrankung oft bremsen.
Bei nicht hormonabhängigen Prostatakrebsarten greift die Hormontherapie jedoch nicht. Besonders in solchen Situationen hat die Chemotherapie mittlerweile einen hohen Stellenwert erreicht.
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Die Ernährung sollte grundsätzlich ausgewogen, fettarm und reich an Ballaststoffen sein. Gemüse, zum Beispiel Tomaten, und Obst wird eine gewisse schützende Wirkung in Bezug auf Prostatakrebs unterstellt.
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Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Facharzt für Urologie und spezielle operative Urologie, medikamentöse Tumortherapie und Andrologie ist Chefarzt der Urologischen Klinik der SLK-Kliniken Heilbronn GmbH.
Dr. med. Marcel Hruza ist Assistenzarzt an derselben Klinik.
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 14.05.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Jörg Neisel
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