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Mobiles Arbeiten: Praktisch oder ungesund?

Handy, Internet und Laptop machen es möglich: Viele Menschen arbeiten von unterwegs oder zu Hause. Klingt praktisch. Aber ist der Dauereinsatz von überall und jederzeit eigentlich gesund?


Arbeiten von unterwegs: Viele Menschen nutzen Bahnfahrten für Computeraufgaben

Christoph Laumann ist für seine Firma viel unterwegs. Tage im eigenen Büro stellen bei ihm die Ausnahme dar. Damit der Unternehmensberater alle Aufgaben erledigen kann, hat er einen strengen Zeitplan. Die ersten Emails beantwortet Laumann morgens im Bett. In die Telefonkonferenz wählt er sich schnell auf dem Weg zum Kunden im Auto ein. Die Umsatzzahlen checkt er am Flughafen, den Laptop auf den Knien.

Laumanns Alltag ist keine Seltenheit heutzutage. Viele Deutsche arbeiten mobil. Das heißt, sie befinden sich nur selten an einem festen Büroplatz. "Meistens denkt man bei dieser Beschreibung an Manager oder Berater. Aber auch Polizisten auf Streife, Handwerker auf Montage, Handelsvertreter oder Beschäftigte auf dem Bau sind mobile Arbeiter", erklärt Dr. Lars Adolph, Psychologe bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).


Welche Probleme bringt das mobile Arbeiten mit sich? Zum einen sind die Telearbeiter, wie man sie auch nennt, oft alleine unterwegs. "Aus Studienergebnissen wissen wir, dass die kollegiale Unterstützung einen wichtigen Präventionsfaktor bei Stress darstellt", erklärt Adolph. Vielen Reisenden fehlt es, ab und zu Dampf abzulassen. Oder sie haben niemanden, den sie bei einem kleinen Computerproblem oder einer Wissensfrage schnell zu Hilfe holen können.

Es gibt auch Vorteile

Aber das mobile Arbeiten bringt auch positive Aspekte mit sich. Zum Beispiel mehr Eigenständigkeit, Flexibilität und Verantwortung. Alles Dinge, die man bei stationären Arbeitsplätzen lange versucht hatte in die Realität umzusetzen. Allerdings bergen diese Chancen auch gleichzeitig wieder ein Risiko. "Wer sich die Arbeitszeit selber einteilt, muss auch wissen, wann Schluss ist, sonst droht Überarbeitung", warnt der Psychologe. Das ist weniger die Gefahr bei Handwerkern, als bei Berufen, bei denen die Arbeit geistiger Natur ist und somit einen schwerer zu definierenden Endpunkt hat.

Auch den körperlichen Aspekt gilt es zu beachten. In einem Bürohaus kann der Arbeitgeber viel leichter kontrollieren, dass alle Arbeitsplätze ergonomisch gestaltet sind. Bei einem Heimarbeiter ist nicht sicher, dass der Schreibtischstuhl gut für den Rücken ist oder der Bildschirm korrekt aufgestellt wurde.

"Firmen, die viele mobile Arbeiter beschäftigen und vorbildmäßig vorgehen, sollten auch für die verstreuten Arbeitsplätze Unterstützungs- und Kontollmechanismen haben", rät Adolph. Konkret kann das eine Sicherheitsfachkraft sein, die den Mitarbeiter bei der Einrichtung eines Heimarbeitsplatzes unterstützt und diesen dann abnimmt.

Ist der Arbeitsplatz rückenfreundlich?

Noch schwieriger ist der Punkt Ergonomie bei Menschen zu sichern, die viel von unterwegs arbeiten oder im Büro beim Kunden sitzen. Was kann der Arbeitgeber hier machen? "Eine optimale Ausstattung erleichtert das Arbeiten und ist auch gut für die Produktivität", so der Mann von der BAuA. Wer viel unterwegs ist und nur wenig am Computer arbeitet, der sollte sich einen leichten Laptop kaufen. Menschen, bei denen das Verhältnis umgekehrt ist, brauchen einen größeren Bildschirm und Tastatur. Entspiegelte Monitore sind besser für die Augen und Tablet-PCs eignen sich nicht unbedingt für lange Schreibarbeiten.

Menschen, die für den Job sehr viel Autofahren, brauchen einen ergonomischen Autositz. "Hier ist das Geld deutlich besser angelegt als in Alufelgen oder in 30 PS mehr", so Adolph. Außerdem sollten die Reisenden auch auf ihre Ernährung achten. Eine Gruppe von Menschen, die ständig auf der Straße unterwegs ist, sind die Lastwagen-Fahrer. Von ihnen ist bekannt, dass sie sich besonders ungesund ernähren. Da ist die Currywurst mit Pommes zum Frühstück keine Seltenheit.

Zu den Vielfahrern zählen auch die Vertreter. Und während bei Brummifahrern die maximalen Fahrzeiten gesetzlich geregelt und beschränkt sind, fällt diese Reglementierung bei Handelsvertretern weg. Hier ist Selbstkontrolle gefragt.

Nicht vergessen: Sport treiben

Ein anderer Punkt, der bei mobilen Arbeitern oft zu kurz kommt, ist die Bewegung. Menschen, die stationär arbeiten, haben es da oft leichter. Manche Firmen bieten Betriebssport an. Aber auch sonst geht derjenige, der jeden Abend um sieben zu Hause ist, sicherlich öfter in den Sportclub als derjenige, der fünf Abende in der Woche im Hotel schläft.

Man kann nicht allgemein sagen, ob mobiles Arbeiten schlecht ist. Oder gut. Ungesund oder nicht. Es kommt auf die Aufgaben an, einige lassen sich einfach nicht vom Laptop oder von zu Hause aus erledigen. Jeder Weg bringt Vor- und Nachteile mit sich. Der Einzelne muss für sich herausfinden, wie er sein Geld verdienen möchte. Und die Betriebe sollten ihren Mitarbeitern Voraussetzungen bieten, die so optimal und gesund sind wie nur möglich.


Noch einmal im Überblick: Die 10 wichtigsten Punkte

  1. Zeiten der Erreichbarkeit einschränken, sonst droht Überarbeitung
  2. Auto für Vielfahrer ergonomisch und sicher gestalten
  3. Den Kontakt zu Kollegen via Telefon und Computer suchen. Isolation kann auch Stress bedeuten. Regelmäßige Treffen im Betrieb helfen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu erhalten
  4. Freizeit und Arbeitszeit deutlich trennen
  5. Genaue dienstliche oder organisatorische Regelungen schaffen Klarheit
  6. Kurse für Selbstmanagement oder Zeitmanagement besuchen
  7. Schreibtischplatz ergonomisch gestalten
  8. Elektronische Geräte den Anforderungen entsprechend kaufen
  9. Reisenden bei der Organisation helfen. Zum Beispiel in der Bahn Laptop-Abteil mit Tisch buchen
  10. Niemals: Aus den Augen, aus dem Sinn! Der mobile Arbeiter ist genauso ein Teil der Firma, wie die Sekretärin, die jeden Tag an ihrem Schreibtisch sitzt

 



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 22.02.2012
Bildnachweis: iStock/Melhi

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